Forschungsprojekt: Verlagerungsprozesse in der Automobilzulieferindustrie

Projektziel

Angesichts der Umbrüche in der Automobilindustrie steht auch die Arbeitsteilung zwischen Hochlohn- und Niedriglohnstandorten deutscher Automobilzulieferer auf dem Prüfstand. Kommt es zu einer neuen Verlagerungswelle in Niedriglohnländer oder werden die deutschen Standorte gestärkt? Das Projekt wertet statistische Indikatoren aus und analysiert drei Fallstudien deutscher Automobilzulieferer.

Veröffentlichungen

Krzywdzinski, Martin und Axel Schröder, 2014. Verlagerungsprozesse in der Automobilzulieferindustrie, Berlin, 39 Seiten.

Projektbeschreibung

Kontext

Die Arbeitsteilung zwischen deutschen und mittelosteuropäischen Standorten der Automobilzulieferindustrie steht vor Veränderungen. Der Absatz von Pkw in der EU wird das Vorkrisenniveau in absehbarer Zeit nicht mehr erreichen. Immer mehr Automobilhersteller und Zulieferer stellen sich auf einen Ausbau der Kapazitäten in Asien um, was bisherige Exportmärkte für die europäischen Werke reduzieren könnte. Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass sich der Wettbewerb zwischen deutschen und mittelosteuropäischen Standorten der Automobilzulieferer verschärfen wird.

Denkbar sind zwei Szenarien. Im ersten Szenario kommt es zu einer neuen Verlagerungswelle aus West- nach Osteuropa. Im zweiten Szenario kommt es zum Beschäftigungsabbau an den osteuropäischen Standorten. Dies liegt daran, dass sich in Osteuropa ausschließlich Fertigungsstandorte befinden, während die deutschen Werke Innovations- und Leitwerkfunktionen übernehmen und dementsprechend weniger ersetzbar sind.

Fragestellung

Das Projekt untersuchte die Frage, wie sich die Arbeitsteilung zwischen westeuropäischen Hochlohnstandorten und osteuropäischen Niedriglohnstandorten in der europäischen Automobilzulieferindustrie entwickelt. Der Fokus der Untersuchung lag auf deutschen Zulieferunternehmen und auf den Beziehungen zwischen deutschen und mittelosteuropäischen Standorten der Zulieferer.

Im Rahmen einer Auswertung statistischer Daten über die Automobilzulieferindustrie in Europa wurde untersucht, inwieweit es Anzeichen für eine Verschärfung von Verlagerungen aus Deutschland nach Mittelosteuropa gibt. Zudem wurde anhand von Fallstudien von drei deutschen Automobilzulieferunternehmen untersucht, inwieweit sich aktuell Muster der Aufteilung von Produkten und Kompetenzen zwischen den deutschen und den mittelosteuropäischen Werken verändern.

Untersuchungsmethoden

Zur Anwendung kamen die Auswertung von statistischen Daten (Eurostat, European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions, Bundesbank) sowie die Durchführung von Fallstudien in deutschen und mittelosteuropäischen Standorten von drei deutschen Automobilzulieferunternehmen.

Darstellung der Ergebnisse

- Zu einer radikalen Veränderung der Arbeitsteilung gegenüber den Mustern vor der Krise ist es bislang nicht gekommen. Die mittelosteuropäischen Zuliefererstandorte zeigen zwar ein stärkeres Wachstum als die deutschen Standorte, aber der vor der Krise feststellbare Trend einer Verlangsamung der Verlagerungsprozesse scheint weiter anzuhalten.

- Unsere Fallstudien zeigen ein Upgrading der mittelosteuropäischen Standorte bis hin zu ersten Fällen der Übernahme von Leitwerkfunktionen. Dies stellt aber noch nicht die zentrale Rolle der deutschen Werke in Frage.

- In allen untersuchten Unternehmen ist die Expansion in Asien ein wichtiges Thema und in allen Unternehmen ist es offen, wie mit dem Wegfall der Exportmärkte für die europäischen Werke umgegangen wird.

- Ein Resultat der Krise scheint die Zunahme prekärer Beschäftigungsformen an den mittelosteuropäischen Standorten zu sein. Diesen Trend kann man auch in Deutschland beobachten, aber er scheint noch stärker ausgeprägt in Mittelosteuropa. Dies wird befördert durch schwache Gewerkschaften und durch oftmals schlechte Information und Konsultation der betrieblichen Arbeitnehmervertreter in der Region.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Martin Krzywdzinski
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung GmbH (WZB)

Kontakt

Dr. Saskia Freye
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung