Das Institut

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) ist als eine von zwei Forschungsabteilungen in die Hans-Böckler-Stiftung, das Mitbestimmungs- und Forschungsförderungswerk des DGB, integriert. Sein Name bezeichnet seinen generellen Auftrag: die soziale und wirtschaftliche Lage der ArbeitnehmerInnen und ihrer Familien im Berufs- und Lebenszusammenhang wissenschaftlich zu analysieren sowie politische Gestaltungsvorschläge zu bewerten und zu entwickeln.


Thematisch ist das Institut breit aufgestellt und die Forschung interdisziplinär angelegt. Das Arbeitsgebiet umfasst Fragen des Arbeitsmarkts, der Verteilung von Einkommen und sonstiger Lebenslagen, der sozialen Sicherung sowie der Arbeitsbeziehungen mit einem Schwerpunkt auf der Tarifpolitik, die aus wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher sowie juristischer Perspektive behandelt werden. Neben externen Datenquellen greift das WSI dabei auch auf eigene originäre Informationserhebungen zurück: das WSI-Tarifarchiv zu tarifvertraglichen Entgeltansprüchen, die Befragungen von Betriebs- und Personalräten zu betrieblichen Entwicklungen sowie die Befragungen von Beschäftigten zu ihren effektiven Arbeitseinkommen ("Lohnspiegel"). Dabei arbeitet das WSI in enger Kooperation mit der zweiten Forschungseinrichtung in der Hans-Böckler-Stiftung, dem Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), sowie zahlreichen externen wissenschaftlichen Einrichtungen und Hochschulen. Die Forschungsergebnisse und Gestaltungsvorschläge des WSI werden Öffentlichkeit, Politik, Verbänden und Wissenschaft regelmäßig in verschiedenen Medien präsentiert. Dazu zählt insbesondere die wissenschaftliche Fachzeitschrift "WSI-Mitteilungen", die Artikel von institutsinternen und externen Wissenschaftlern (in "doppelblinder" Begutachtung) sowie Beiträge von betriebs-, verbands- und politiknahen Praktikern publiziert. In dieser Zeitschrift manifestiert sich auch die Funktion des WSI als Schnittstelle zwischen verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen und der sozialen Praxis.

Aktuelle Forschungsschwerpunkte

Seit einigen Jahren schon konzentrieren sich Forschung und auf Forschungsergebnissen basierende Politikberatung des WSI auf drei Forschungsschwerpunkte:

  • Arbeitsmarkt und seine Regulierung
  • Verteilung und soziale Sicherung
  • Arbeitsbeziehungen und Tarifpolitik

Forschungsschwerpunkt I:
Arbeitsmarkt und seine Regulierung

Die Arbeitsmärkte stehen seit langem unter vielfältigem Druck. Dieser geht nicht nur auf veränderte ökonomische Bedingungen zurück, sondern auch auf unterschiedliche Akteursinteressen und politisch-normative Leitvorstelllungen. Die Analyse dieser Ursachen und der gegebenen wie gewünschten Anpassungsreaktionen auf den Arbeitsmärkten einschließlich ihrer institutionellen wie rechtlichen Rahmenbedingungen bilden hier das zentrale Forschungsanliegen - auch im internationalen Kontext. Einzelne Forschungsfelder in diesem Schwerpunkt sind:

Arbeitsmarktentwicklung: Die politische und institutionelle Regulierung des Arbeitsmarkts sowie die Auswirkungen auf seine Funktionsfähigkeit sind Gegenstand analytischer und konzeptioneller Arbeiten. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Untersuchung von gewandelten Beschäftigungsformen sowie von Ursachen und Folgen der Massenarbeitslosigkeit.

Arbeitsmarktpolitik: Die Verbindung eines funktionsfähigen Arbeitsmarktes mit individuellen und gruppenspezifischen Beschäftigungs- und Entwicklungschancen ist Aufgabe der Arbeitsmarktpolitik. Sie verbessert die Passförmigkeit von Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage und gewährt sozialen Schutz im Falle von Arbeitslosigkeit. Untersucht wird, mit welchen konkreten Maßnahmen und Instrumenten diese Aufga-ben umgesetzt werden und wie diese sich gewandelt haben. Von besonderem Interesse sind dabei flexible Erwerbsübergänge zwischen einzelnen Beschäftigungsverhältnissen und ausreichende Absicherungen von Beschäftigungsrisiken.

Arbeitszeit: Die Differenzierung und Flexibilisierung der Arbeitszeit werden in ihren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die Beschäftigten und ihre Arbeits- wie Lebensbedingungen analysiert.

Arbeitsrecht: Das Machtungleichgewicht zwischen "Arbeitgebern" und "Arbeitnehmern" weist dem Arbeitsrecht eine besondere Schutzaufgabe zu als Voraussetzung für gute Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten. Das Individual- und Kollektivarbeitsrecht stehen dabei ebenso im Focus wie seine Schnittstellen zum Sozialrecht, weil Beschäftigungsrisiken und entsprechende Schutzbedarfe zunehmen. Die Forschung erfolgt unter Berücksichtigung des europäischen und internationalen Arbeitsrechts.

Forschungsschwerpunkt II:
Verteilung und soziale Sicherung

In diesem Schwerpunkt werden die geltenden Konzeptionen, Institutionen und Instrumente der Verteilungs-, Sozial- und Geschlechterpolitik analysiert. Ziel ist neben einer kritischen empirischen Bestandsaufnahme die Entwicklung von Vorschlägen zur Korrektur von Defiziten. Dazu gehört insbesondere die Entwicklung von Ansätzen, wie Erwerbsarbeit, kollektive Sicherung und individuelle Wahlfreiheit in verschiedenen Lebensphasen bei unterschiedlichen Lebensoptionen möglich und vereinbar werden können. Es gilt dabei, die Ebenen bezahlte und unbezahlte Beschäftigung bzw. Erwerbsarbeit und Engagement in Familie und Gesellschaft mit den Verteilungsebenen von Geld, Zeit und sozialen Chancen zu verknüpfen.
Besondere Themen in diesem Schwerpunkt sind:

Verteilungspolitik: Die Differenzierung der personellen Arbeits- und Lebensverhältnisse findet ihre Entsprechung in den Erwerbseinkommen und Erwerbsersatzeinkommen der Menschen und ihrer Familien. Die für deren materielle und inmaterielle Lage verantwortlichen Institutionen - offene wie der Sozialstaat und informelle wie soziale Netze - , ihre Finanzierung und ihre Wirkung sind Analysegegenstand.

Sozialpolitik: Kern hier ist die Analyse der Funktionsfähigkeit, des Wandels und der Entwicklungsperspektiven von Systemen sozialer Sicherung aus deutscher sowie europäisch vergleichender Perspektive. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Zukunftsperspektiven der Sozialversicherung als sozialpolitischer Ordnungsrahmen zur Erreichung der eingangs genannten Ziele.

Genderpolitik: Die gesellschaftliche Organisation von Arbeit und Leben wird in ihren Auswirkungen auf das Geschlechterverhältnis betrachtet. Insbesondere geschlechtsspezifische Unterschiede am Arbeitsmarkt und in den Betrieben, bei den Einkommen sowie Arbeitszeiten werden analysiert sowie Ansätze für die Gleichstellung von Frauen und Männern im Beruf herausgearbeitet. Untersucht werden auch Zusammenhänge zwischen Geschlechterarrangements jenseits des männlichen Ernährermodells und den Veränderungen in Arbeitswelt und sozialer Sicherung.

Forschungsschwerpunkt III:
Arbeitsbeziehungen und Tarifpolitik

In diesem Schwerpunkt sind Gegenstand von Forschung und Beratung durch das WSI die historisch so genannten "Industriellen Beziehungen", die tatsächlich die Gesamtwirtschaft betreffen: Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und ihre Relation, betriebliche Interessenvertretungen usw. Der Focus liegt auf der Tarifpolitik, darunter die Lohnpolitik, und findet institutionell und organisatorisch im WSI-Tarifarchiv seine Entsprechung.

Tarifpolitik und Tarifsystem: Das WSI-Tarifarchiv dokumentiert und analysiert die Ergebnisse der praktischen Tarifpolitik und erhebt im Projekt LohnSpiegel eigenständig Daten zur Einkommensentwicklung. Es untersucht Ausmaß und Ursachen struktureller Veränderungsprozesse des deutschen Tarifsystems und liefert Entscheidungshilfen für seine Re-Stabilisierung.

Zukunft der Schlüsselakteure der deutschen Arbeitsbeziehungen: Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände sind nicht nur tragende Säulen der Tarifpolitik auf Bran-chenebene, sie üben darüber hinaus einen erheblichen Einfluss auf die Gestaltung der betrieblichen Arbeitsbeziehungen aus. Das WSI analysiert Organisationsstruktu-ren, Mitgliederentwicklung und Handlungsfähigkeit dieser Schlüsselakteure und de-ren aktuelle Veränderungsprozesse.

Europäische Arbeitsbeziehungen: Die deutschen Arbeitsbeziehungen und Tarifentwicklungen werden maßgeblich durch die europäische Ebene beeinflusst. Das WSI untersucht in vergleichender Perspektive die betriebs-, tarif- und gewerkschaftspolitischen Gestaltungsspielräume jenseits der vermeintlichen oder tatsächlichen Globalisierungszwänge. Dazu gehört die Beobachtung von verteilungspolitischen Entwicklungen und von Regulierungen durch Mindeststandards.

Betriebs- und Personalräte: Mitbestimmung in den Betrieben und Dienststellen deutscher Unternehmen und Verwaltungen ist ein zentrales Objekt der WSI-Forschung. Unter Rückgriff auf die regelmäßig seit 1997 durchgeführten Betriebs- und Personalrätebefragungen im WSI wird die Arbeit dieser Interessenvertretungen in einer Vielzahl von Themenfeldern analysiert. Dazu gehören neben der Tarifpolitik auch Arbeitszeitfragen, Gleichstellung, betriebliche Restrukturierung und Gesundheitsschutz.

EIRO

Das WSI analysiert die Entwicklung europäischer Betriebsräte und ihrer Arbeit. Es beteiligt sich als deutscher Partner am "European Industrial Relations Observatory (EIRO)", einem seit 1997 bestehenden Informationsnetzwerk namhafter Institute aus allen 15 EU-Staaten und Norwegen, das von der Europäischen Stiftung für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen in Dublin koordiniert wird.

Das wichtigste Ziel von EIRO ist die Erstellung eines aktuellen Informationsdienstes EIROnline, in dem Monat für Monat bis zu 80 neue Beiträge zu den aktuellen Entwicklungen in den nationalen und europäischen Arbeitsbeziehungen erscheinen und der kostenlos via Internet genutzt werden kann unter http://www.eiro.eurofound.ie/.

Das Tarifarchiv des WSI

Das WSI-Tarifarchiv hat als zentrale Dokumentationsstelle der gewerkschaftlichen Tarifpolitik die Aufgabe, das laufende Tarifgeschehen umfassend zu dokumentieren und auszuwerten. Neben seinen regelmäßigen Tarifberichten veröffentlicht das Tarifarchiv zahlreiche Sonderauswertungen. Im Tarifarchiv stehen aktuelle Informationen über Tarifabschlüsse und Übersichten über die Tarifentwicklungen in allen wichtigen Branchen im Internet zur Verfügung. Eine umfangreiche Analyse aktueller tarifpolitischer Entwicklungen veröffentlicht das Archiv jährlich mit dem "WSI-Tarifhandbuch".

Publikationen

Seine Forschungsergebnisse und Expertisen veröffentlicht das WSI vornehmlich in der wissenschaftlichen Buchreihe "Hans-Böckler-Forschung" bei der "edition sigma rainer bohn verlag" in Berlin. Veröffentlichungen des Instituts erscheinen jedoch auch im Programm verschiedener anderer Verlage.

WSI-Mitteilungen

Die WSI-Mitteilungen sind eine wissenschaftliche Fachzeitschrift mit politik- und praxisorientierter Ausrichtung. Sie informieren über neue wissenschaftliche Erkenntnisse im Themenspektrum "Arbeit - Wirtschaft - Soziales". Die Zeitschrift wird herausgegeben vom WSI und erscheint 8x jährlich.


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Befragungen

Die regelmäßigen Befragungen des WSI: Betriebsräte, Mobilitätsbefragung, Lohnspiegel