Im Web 2.0 konsumiert man nicht nur Informationen und Inhalte passiv, sondern kann sie selbst zur Verfügung stellen mittels Text, Bild, Video, etc. Menschen vernetzen sich aktiver als jemals zuvor auf diese Weise über das Internet. Chancen, dass Wissen demokratisiert wird, wachsen, denn Menschen auf allen Kontinenten können leichter miteinander kommunizieren, vorausgesetzt sie haben einen Internetanschluss zur Verfügung. Zugleich lassen sich die persönlichen Daten und Informationen über die Nutzer besser z. B. für Marketingzwecke nutzen. Damit einhergehen u. a. Probleme des Datenschutzes und Fragen von Urheberrechten.
Weitverbreitete Web 2.0-Anwendungen und ihr Nutzen
Im Unternehmen kommen Web 2.0-Anwendungen in sehr unterschiedlichen Feldern zum Einsatz. Eine Auswahl:
- Kundenservice, z. B. über Twitter
- Marketing, z. B. Werbung in sozialen Netzwerken für Produkte, für das Unternehmen
- Personalbereiche, z. B. Mitarbeitergewinnung; über soziale Netzwerke potenzielle BewerberInnen identifizieren
- Wissensmanagement, z. B. durch Unternehmens-Wikipedia-Anwendungen vorhandenes Wissen im Unternehmen erfahren, teilen, aufbereiten und neues Wissen generieren
- Forschung & Entwicklung: Produktentwicklung durch Crowdsourcing
- Arbeitsorganisation: Projektmanagement mit Collaboration-Tools
Im Unternehmen verändern sich Arbeitsstrukturen, Entwicklungsprozesse von Produkten und Dienstleistungen sowie Vermarktungswege. Von der permanenten Erreichbarkeit über das Smartphone bis hin zur weltweiten Arbeitsteilung innerhalb eines Unternehmens verändern sich Arbeitsorganisationen und Kommunikation. Arbeitsprozesse lassen sich teils besser koordinieren durch vereinfachte Kommunikationswege. Auch das Wissen in den Köpfen der Beschäftigten kann besser genutzt werden. Nicht zuletzt können sich auch Hierarchien und Aufgaben von Führungskräften im Arbeitsprozess wandeln, u. a. weil die Selbstorganisation der Beschäftigten einen hohen Stellenwert bekommt und Arbeitsprozesse quer zur Hierarchie ablaufen können. Auf diese Weise verändern sich ganze Unternehmen (Stichwort Enterprise 2.0).
Aus Arbeitnehmersicht wächst die Gefahr der weiteren Rationalisierung, Entgrenzung von Arbeit und Privatheit. Wie schützt man sich vor (Selbst-)ausbeutung? Zusätzliche Belastungen, Stress, noch weiter rationalisierte Arbeitsprozesse und erhöhte Anforderungen entstehen. Der "richtige" Umgang und richtige Einsatz neuer Technik muss erlernt werden. Es eröffnen sich für Betriebsräte verschiedene Handlungsfelder je nach Einführungsstrategie.
Einführung von Social Software im Unternehmen
Aufstellen von Social Media Guidelines
Die alltägliche Kommunikation verlagert sich immer mehr ins Netz. Von Unternehmensseite werden inzwischen Social Media Guidelines eingeführt: Richtlinien zum Umgang mit sozialen Netzwerken.
Weiterführende Informationen zu Social Media Guidelines
Datenschutz
Jedes siebte Unternehmen ist in den vergangenen vier Jahren lax mit den Daten seiner Beschäftigten umgegangen (WSI-Betriebsrätebefragung 2010). Datenschutz sollte bei der Einführung von Social Software im Unternehmen auf der Agenda des Betriebsrats stehen.
Datenschutz: Laxer Umgang mit Beschäftigten-Daten (Böckler Impuls, 17/2010)
Weiterführende Informationen zum Beschäftigtendatenschutz
Arbeitsbelastung und Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben
Wer mit dem Internet aufgewachsen ist, will auch am Arbeitsplatz nicht auf diese Technologie verzichten. Die junge Generation legt großen Wert darauf, diese Technologie zu nutzen. Jüngster Trend ist mit dem eigenen Equipment am Arbeitsplatz zu arbeiten (Bring your own Device-BYOD).
Umfrage eines Netzwerkunternehmens: Young Professionals Arbeitgeberwahl: Ohne Social Media Job-Absage (cio.de)
Durch den Einsatz neuer mobiler Technologien ergeben sich Möglichkeiten für eine bessere Work-Life-Balance. Risiken entstehen, weil die Grenzen zwischen Privatleben und Berufstätigkeit immer stärker verschwimmen. Einzelen Unternehmen versuchen klare Grenzen zu ziehen.
VW verzichtet auf Email-Versand auf Diensthandys nach Feierabend (heise.de)
27 Prozent der Beschäftigten müssen sehr häufig oder oft auch außerhalb der regulären Arbeitszeit für das Unternehmen erreichbar sein. 15 Prozent erledigen in ihrer Freizeit sehr häufig oder oft Aufgaben für ihren Betrieb.
DGB-Index Gute Arbeit (pdf)
ver.di-Positionspapier von Betriebs- und Aufsichtsräten großer deutscher IT-Unternehmen zum Crowdsourcing und Cloudworking
Crowdsourcing und Cloudworking: Gute Arbeit muss möglich bleiben (tk-it.verdi.de)
Crowdsourcing: Broschüre der IG Metall zum Fallbeispiel IBM
Crowdsourcing: Beschäftigte im globalen Wettbewerb um Arbeit - am Beispiel IBM (igmetall.de)
Wissen im Unternehmen
Wer verfügt über welches Wissen? Mit Web 2.0-Technologien lassen sich Fragen dieser Art beantworten, Informationen austauschen und Wissenszugänge entwickeln. Man kann sich vernetzen, über Abteilungs- und Ländergrenzen hinweg austauschen und an Lösungen für Probleme arbeiten. Mit der Einführung geht auch ein Wandel der Organisationskultur einher.
Positionspapier (pdf) der Gesellschaft für Wissensmanagement e. V. (gfwm)
Weiterbildung
Der Einsatz von Social Software im Unternehmen ist bisweilen arbeitsrechtliches Neuland. Der kompetente Umgang ist für Arbeitgeber und Beschäftigte daher sehr wichtig. Schulungen sollten das nötige Rüstzeug vermitteln. Hier eröffnen sich Regelungsmöglichkeiten für den Betriebsrat. Im Projekt "erfahren ins NETZ 2.0" werden u. a. Bildungsangebote für die Gruppe 45+ im öffentlichen Dienst entwickelt.
Informationen zu "erfahren ins NETZ 2.0"
Wie bewegt man sich sicher in sozialen Netzwerken? Welche Hilfsmittel stehen Betriebs- und Personalräten bei der Einführung von Social Software im Unternehmen zur Verfügung?
Hinweise und Handlungshilfen
Hinweise zur Nutzung von Social Networks bei der IG Metall
Hinweise zur Nutzung von Facebook bei der IG Metall
Die BTQ Kassel bietet einen Überblick über das Web 2.0, erste Fragen aus Sicht der Interessenvertretungen werden bearbeitet.
BTQ@Info Web 2.0 (pdf)
Neue Handlungshilfe als erste Orientierung für betriebliche Interessensvertretungen, mehr Informationen und Download: Social Media - soziale Medien? Neue Handlungsfelder für Interessensvertretungen
Arbeitshilfe zum E-Learning, in der Web 2.0 in den Kontext von Lernen im Betrieb gestellt wird.
Weiterbildung im Betrieb mit E-Learning, Web 2.0, Mikrolernen und Wissensmanagement (pdf)
eBook als Handlungshilfe - wie man einen Social Media Auftritt aufbauen und betreiben kann, kostenlos von der Bundeszentrale für politische Bildung bereitgestellt.
Mehr Informationen: Marketing im Web 2.0 für Bildungsanbieter (pb21.de)
Im Rahmen der DGB-Initiative "Wie willst Du leben?" wurde eine Handlungshilfe veröffentlicht, in der unter anderem erläutert wird, wie man Social Networks für Kampagnen nutzen kann.
Das Web Zwei Punkt Null (pdf)
Die Gewerkschaften selbst sind in Social Networks aktiv:
Eine Übersicht finden Sie unter F...von Facebook bis Fusion.
Betriebliche Vereinbarungen
Datenschutz, Leistungskontrolle, Freiwilligkeit, "Always on"-Mentalität, Weiterbildung sind nur einige Themen mit denen sich Betriebs- und Personalräte beispielsweise im Rahmen der Einführung von Social Software im Unternehmen befassen müssen. Die im Verlauf aufgelisteten Auswertungen von Betriebs- und Dienstvereinbarungen geben einen Überlick:
Betriebsvereinbarungen zu unternehmenseigenen Wissensdatenbanken (Wikis)
E-Mail-Nutzung und Internetdienste
E-Learning im Betrieb
IKT-Rahmenvereinbarungen
Mobile Arbeit
Whistleblowing
Untersucht wird, welche Anforderungen aus Sicht der Beschäftigten im betrieblichen Einsatz von Social Media entstehen und welche Umgangsweisen Beschäftigte und Betriebsräte entwickeln.
Übersicht über das Projekt
Projekt an der Uni Frankfurt zum Thema Arbeit und Leben und dem Einfluss neuer Informationstechnologien auf Arbeitsformen und Karrierechancen besonders von Frauen. Webseite mit Blog und Umfragen: Interessierte und Betroffene können sich beteiligen, Diskussionen und Ergebnisse im Blog fließen in das Projekt ein.
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Studie der Ebert-Stiftung "Digitale Arbeit in Deutschland - Potenziale und Problemlagen". Argumentiert wird u. a. dafür, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, damit digitale Arbeit nicht belastet.
Zur Studie (pdf)
Im Forschungsprojekt "Digitales Lernen in der Instandhaltung" geht es um webbasierte Lern- und Wissenssysteme, integriert in den Arbeitsprozess. So sollen Probleme gelöst und Lernen gefördert werden. Anschließend wird die Verknüpfung zu formellen Weiterbildungsmöglichkeiten gesucht. Bei der Entwicklung werden Web 2.0-Technologien eingesetzt.
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"Webbasierte Erwerbsarbeit" ist ein wissenschaftliches Projekt, das die alltäglichen soziokulturellen Praktiken von jungen Erwerbstätigen analysiert, die in Internetbasierten Berufen (Online-Journalismus, Web Design oder Social Media-Beratung) arbeiten.
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Der in Oxford lehrende Historiker Timothy Garton Ash lädt zu einer Debatte über Meinungsfreiheit im Zeitalter des Internets ein. Die Internetplattform kann in 13 Sprachen bedient werden und hat das Ziel, eine globale Konservation über allgemein akzeptable und relevante Regeln für die freie Meinungsäußerung in der globalisierten Welt zu finden.
Internetplattform FreeSpeechDebate
Unter dem Begriff Industrie 4.0 wird gegenwärtig diskutiert wie die industrielle Produktion und Arbeitsorganisation in Zukunft aussehen könnte: die smarte Fabrik mit Beschäftigten als "kreativen Schöpfern". Mobile Endgeräte und Digitalisierung sind hierbei wichtige Bedingungen.
Der Abschlussbericht des Arbeitskreises Industrie 4.0 (pdf)
Forschungsprojekt von Fraunhofer: Untersucht wird wie Produktionskapazitäten flexibel gesteuert werden können, z.B. mit dem Smartphone.
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Passend dazu ein Artikel aus dem IAO-Blog