Die Sozialpartnerschaft hat in Deutschland eine gute und lange Tradition. Die finanzielle Mitarbeiterbeteiligung spielt jedoch in der unternehmerischen Praxis nach wie vor eine untergeordnete Rolle.
Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis zeigen, dass eine finanzielle Mitarbeiterbeteiligung vielfältige Vorteile für Beschäftigte und Unternehmen mit sich bringen kann. Eine finanzielle Beteiligung kann z.B. dazu beitragen, die Motivation der Mitarbeiter und ihre Identifikation mit dem Unternehmen zu stärken, und somit die Arbeitsergebnisse zu verbessern. Aus gesellschaftspolitischer Sicht kann die breite Beteiligung von Mitarbeitern am Unternehmen der zunehmenden Ungleichverteilung von Vermögen zumindest entgegenwirken. Gleichzeitig birgt eine Beteiligung am Unternehmenskapital immer ein Anlagerisiko. Im Insolvenzfall besteht für die Beschäftigten das Risiko, neben den investierten Einlagen auch den Arbeitsplatz zu verlieren.
Generell lassen sich zwei Formen der finanziellen (bzw. materiellen) Mitarbeiterbeteiligung unterscheiden: die Kapitalbeteiligung und die Erfolgsbeteiligung.
Übersichtsartikel zur Kapitalbeteiligung
Übersichtsartikel zur Erfolgsbeteiligung
Wie ist es um die Verbreitung der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung bestellt? Welche Beteiligungsformen dominieren bei er Kapitalbeteiligung? Wie steht Deutschland im europäischen Vergleich dar? Die folgende Seite gibt Aufschluss darüber...
Zahlen und Fakten zur Verbreitung der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung in Deutschland und Europa
Glossar: Abkürzungen und Begriffe der finanziellen Mitarbeiterbeteiliugng auf der Informationsplattform "worker-participation.eu"
Auch Bilfinger Berger startet großes Beteiligungsprogramm
Der Industriedienstleister der Baubranche will die Identifikation seiner Mitarbeiter mit dem Konzern (über 300 Beteiligungen) durch ein Mitarbeiter-Beteiligungsprogramm steigern. Die Mitarbeiter, die sich beteiligen erhalten je vier Aktien eine Aktie gratis. Die Einflussmöglichkeit der Arbeitnehmer soll zudem erhöht werden, indem die Stimmrechte in einem Aktionärsverein gebündelt werden.
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Committee on Worker Capital
Als am Kapital beteiligter Mitarbeiter Einfluss auf die Unternehmenspolitik zu nehmen, ist in Deutschland sehr begrenzt möglich, dies gilt selbst für Belegschaftsaktionäre und die von ihnen zur Bündelung der Stimmrechte gebildeten Belegschaftsaktionärsvereine. Auch die von den Sozialpartnern eingerichteten Alters-Versorgungswerke haben nur bestimmte Ausschlusskriterien für die Anlage ihrer Gelder.
International gibt es allerdings zahlreiche Pensionsfonds, die über Corporate Governance-Richtlinien und konkrete Anlage-Strategien durchaus Einfluss auf die Unternehmenspolitik nehmen. Ein internationales gewerkschaftsnahes Netzwerk organisiert hierzu einen weltweiten Dialog sowie konkrete Aktionen bezüglich Investments von Worker Capital (Arbeitnehmerkapital). Darüber gibt die folgende Broschüre einen Überblick.
Download der Broschüre (pdf)
Das Mitarbeiterkapitalbeteiligungsgesetz von 2009 sollte dazu beitragen, die Zahl der am Kapital der Unternehmen beteiligten Mitarbeiter von rund zwei auf drei Millionen zu steigern. Bisher fand das neue Gesetz aber nicht die gewünschte breite Resonanz in der Wirtschaft. Die Anwendungsprobleme werden kontrovers diskutiert. Der DGB hat im Jahr 2010 einen Vorschlag zur Stabilisierung von Unternehmen in Krisenfällen mit Hilfe von Kapitalbeteiligungsmodellen entwickelt.
Überblick über die Gesetzesinitiativen und die öffentlichen Debatte
"Mitarbeiterkapitalbeteiligung. Modelle und Förderwege": Broschüre des Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2011)
Download der Broschüre (pdf)
"Mitarbeiterbeteiligung im Mittelstand. Ein Atlas erfolgreicher Beteiligungsmodelle" von Stefan Fritz (Hrsg.), Düsseldorf 2008
Bestellmöglichkeit auf der Website "symposion"
Praxisbeispiele zur Beteiligung in Krisenfällen
"Belegschaftskapital als attraktiver Baustein einer Krisenlösung. Verzicht ist keine Alternative". Beitrag zur gewerkschaftlichen Debatte von Dietmar Hexel, DGB Diskurs 2010.
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"Die finanzielle Mitarbeiterbeteiligung praxistauglich weiterentwickeln": Expertise im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung. WISO Diskurs, 2011.
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Die grundsätzliche Entscheidung darüber, ob und in welchem finanziellen Umfang Mitarbeitern eine Beteiligung am Kapital oder Erfolg des Unternehmens gewährt wird, ist eine freiwillige Entscheidung des Arbeitgebers, sie ist nicht mitbestimmungspflichtig. Hierzu gehören das Gesamtvolumen der vom arbeitgebenden Unternehmen bereitgestellten finanziellen Mittel, die Festlegung der Laufzeit des Beteiligungsmodells als auch die Form der Leistungen für die Arbeitnehmer (d.h. handelt es sich um eine investive Verwendung zu Zwecken der Vermögensbildung oder um eine Barauszahlung). Die weitere Ausgestaltung eines Beteiligungsmodells unterliegt jedoch der Mitbestimmung des Betriebsrats. Eine Mitarbeiterbeteiligung muss mit tarifrechtlichen und betrieblichen Regelungen im Einklang stehen.
Freiwillige Betriebsvereinbarungen
In der Praxis werden Beteiligungsmodelle häufig in freiwilligen Betriebsvereinbarungen geregelt. Dabei ist zu beachten, dass Entgelte, die per Tarifvertrag geregelt werden, nicht Gegenstand einer Betriebsvereinbarung sein können. Demnach kann z.B. durch eine Betriebsvereinbarung keine Mittelaufbringung für eine Kapitalbeteiligung durch Löhne oder Gehälter festgelegt werden, wenn diese tarifvertraglich geregelt werden. Ausnahmen bestehen, wenn ein Tarifvertrag ergänzende Betriebsvereinbarungen erlaubt.
Ein Standardmodell der Mitarbeiterbeteiligung, das für alle Unternehmen geeignet ist, gibt es nicht. Jede Mitarbeiterbeteiligung ist ein Sondermodell, das auf die besonderen Verhältnisse im Betrieb zugeschnitten sein muss. Eine Mitarbeiterbeteiligung muss den Präferenzen von Eigentümern, Führungskräften und Beschäftigten Rechnung tragen, damit sie funktioniert. Eine Handlungsanleitung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) fasst die wesentlichen Schritte zusammen, die bei der Einführung einer Mitarbeiterkapitalbeteiligung zu beachten sind.
Download der BMAS-Handlungsanleitung "Von der Idee zum Konzept" (pdf)
Eine Checkliste von Wilke, Maack und Partner stellt in idealtypischer Weise die wesentlichen Aspekte dar, auf die es bei der Entwicklung eines Modells der Kapitalbeteiligung ankommt. Ein systematisches Abarbeiten der Checkliste hilft dabei, Fehler zu vermeiden und das gewünschte Ergebnis zu erreichen.
Download der Checkliste (pdf)
Gestaltung einer Betriebsvereinbarung
Breisig, Thomas: Leistung und Erfolg als Basis für Entgelte
Hilfestellung für Betriebsräte zur Gestaltung einer Betriebsvereinbarung über leistungs- und erfolgsorientierte Entgelte bietet eine Auswertung von 260 Betriebs- und Dienstvereinbarungen von Thomas Breisig. Dabei werden Regelungsinhalte und Mitbestimmungsfragen erörtert. Das Buch ist in der Reihe Betriebs- und Dienstvereinbarungen der Hans-Böckler-Stiftung erschienen.
Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit
Klein-Schneider, Hartmut: Leistungs- und erfolgsorientiertes Entgelt - Basisauswertung von 2002
Hartmut Klein-Schneider gibt in einer Auswertung von 127 betrieblichen Vereinbarungen aus 84 Betrieben und Verwaltungen einen Überblick über unterschiedliche leistungs- und erfolgsorientierte Entgeltmethoden. Die Analyse ist in der Reihe Betriebs- und Dienstvereinbarungen der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlicht.
Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit
Havighorst, Frank / Müller, Susanne Gesa: Mitarbeiterkapitalbeteiligung
Wie Betriebsvereinbarungen zum Thema Mitarbeiterkapitalbeteiligung gestaltet wurden, veranschaulichen Frank Havighorst und Susanne Gesa Müller in einer Veröffentlichung in der Reihe Betriebs- und Dienstvereinbarungen der Hans-Böckler-Stiftung. Die Auswertung basiert auf einer Analyse von 26 betrieblichen Vereinbarungen.
Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit
Die folgende Literatursammlung ist zum schnellen Einstieg in Themengebiete rund um die materielle Mitarbeiterbeteiligung erstellt worden. Enthalten sind deutschsprachige Quellen ab dem Jahr 2000. Quellen können gezielt nach ihrer Ausrichtung (praxisorientiert vs. wissenschaftlich), nach Themengebieten, Fachgebiet, Zielgruppe und verwendeter Methode selektiert werden. Für jedes Themengebiet werden fünf Leitquellen genannt, die als besonders informativ angesehen werden.
Um die Literatursammlung aktuell und komplett zu halten, bitten wir Autoren uns Änderungen oder neue Publikationen zur Aufnahme in die Sammlung mitzuteilen. Schicken Sie bitte eine Email an Marion Weckes.
Literaturkatalog Mitarbeiterbeteiligung
Gutachterliche Stellungnahme zur Einführung und Weiterentwicklung des Mitarbeiterkapitalbeteiligungsgesetzes im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung, 2009: Das Gutachten von Jens Lowitzsch, Natalia Spitsa, Herwig Roggemann und Bernd Waas beleuchtet Hintergrund und Inhalt des Gesetzes, diskutiert Anwendungsprobleme und zeigt Möglichkeiten der Weiterentwicklung des Konzeptes der Mitarbeiterbeteiligungsfonds auf.
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Mittlerweile gibt es zahlreiche Studien zum Thema "Kapital- und Erfolgsbeteiligung von Mitarbeitern". Im folgenden Verlauf werden ausgewählte Studien näher vorgestellt. Unter anderem wird der Inhalt der einzelnen Studien kurz und knapp wiedergegeben.
Weitere Kurzbeschreibungen zu ausgewählten Studien
Literaturliste zum Thema Mitarbeiterbeteiligung, Kapitalbeteiligung, Gewinnbeteiligung (pdf)