Der Anteil von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten in Deutschland ist seit Jahren nahezu unverändert gering. Praktisch folgenlos ist die Selbstverpflichtung der Wirtschaft verpufft. Die Änderung des Deutschen Corporate Governance-Kodex 2010 hat die Debatte um eine Geschlechterquote neu belebt: Was muss unternommen werden, um Frauen den Einstieg in Führungspositionen zu erleichtern?
Informationen zum Deutschen Corporate Governance-Kodex
Lettland und Litauen Spitzenreiter in der EU
Mit 41% lag der Anteil an Frauen in Führungspositionen in 2010 in Lettland und Litauen am höchsten. Deutschland nimmt mit 30% einen Platz im unteren Drittel ein; liegt damit, wie bspw. auch einige skandinavische Länder, unter dem EU-Durchschnitt von 34%.
Zum Artikel vom Statistischen Bundesamt
Broschüre "Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt - Deutschland und Europa"
Mehr Frauen in Führungspositionen "JA", Quote "JEIN"
Bei einer öffentlichen Anhörung des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages zum Thema "Chancengleichheit" sprechen sich die geladenen Expertinnen und Experten mehrheitlich für mehr Frauen in Führungspositionen aus, diskutieren die Einführung einer gesetzlichen Regelung aber kontrovers.
Stellungnahmen der Sachverständigen
Gesetzesentwürfe
Bundesrat stimmt für Quote
Der Bundesrat macht sich für eine gesetzliche Quote in Aufsichtsräten stark. Geht es nach dem Willen der Länderkammer, muss der Anteil an Frauen ab 2018 mindestens 20 Prozent und ab 2023 mindestens 40 Prozent betragen. Zum Gesetz wird der Entwurf aber letztendlich erst, wenn auch der Bundestag grünes Licht gibt. Die IG Metall begrüßt die Entscheidung des Bundesrats. Der Anteil an Frauen bei den in 2011 und 2012 neu gewählten Aufsichtsratsmitgliedern, die von der IG Metall entsendet werden, liegt bereits bei 31,8 Prozent.
Zum Artikel über den Beschluss des Bundesrats (tagesschau.de)
Die IG Metall über das Bundesrats-Votum
Führungskräfte-Monitor 2012
Der Bericht stellt anhand von 7 Kernindikatoren und 47 Einzelindikatoren die Situation von Frauen und Männern in Führungspositionen in der Privatwirtschaft zwischen 2001 und 2010 dar. Die so gelieferten Strukturinformationen bieten die Möglichkeit, Ansatzpunkte zur Erhöhung der Chancen von Frauen in Führungspositionen zu identifizieren.
Zum Bericht (pdf)
2012: Und die Chefetagen bleiben männlich dominiert
Ein Drittel der 160 Unternehmen in den DAX-Indizes der Deutschen Börse, zeigt die jüngste Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung, hat keine einzige Frau in seinen Führungsgremien - weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat.
Zum Artikel inkl. Grafik
2001 haben Bundesregierung und Arbeitgeberverbände eine freiwillige Selbstverpflichtung zur "Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft" beschlossen. Die Chancen für Frauen, eine Spitzenposition in der Privatwirtschaft zu besetzen, haben sich danach nur marginal verbessert. Fast zehn Jahre später, im Mai 2010, hat die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance-Kodex "eine angemessene Beteiligung von Frauen" im Vorstand und Aufsichtsrat aufgenommen (Kapitel 4.1.5, 5.1.2 und 5.4.1). Andere Länder dagegen haben bereits eine Geschlechterquote gesetzlich verankert.
Studie: Geschlechterverteilung in Vorständen und Aufsichtsräten (pdf)
Internetangebot der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance-Kodex
Die Gesetzesinitiativen zur Einführung einer Geschlechterquote in Deutschland sowie die Sichtweisen von Gewerkschaften, Politik und Wirtschaftsverbänden sind hier zusammengefasst: Debatte und Initiativen.
Beim zweiten Spitzentreffen mit der Bundesregierung haben sich die 30 größten börsennotierten Unternehmen verpflichtet, den Anteil an Frauen in Führungspositionen freiwillig zu erhöhen.
Überblick über die Zielsetzungen der 30 DAX-Konzerne (handelsblatt.de)
Auch auf EU-Ebene werden seitens einzelner Unternehmen freiwillige Initiativen angestoßen. Welche Maßnahmen jene Unternehmen in Europa ergreifen, um den Anteil an Frauen in Führungspositionen zu erhöhen, ist dem Anhang 2 des EU-Fortschrittsberichts "Frauen in wirtschaftlichen Entscheidungspositionen in der EU" zu entnehmen. Welche Länder bisher rechtliche Maßnahmen oder freiwillige Initiativen ergriffen haben, wird ebenfalls in dem EU-Fortschrittsbericht (ab Seite 13) aufgeführt.
Frauen in wirtschaftlichen Entscheidungspositionen in der EU: Fortschrittsbericht (pdf-Download)
Die Checkliste behandelt die wichtigsten Handlungsschritte bei der Gestaltung flexibler Arbeitszeitmodelle. Der Leitfaden hilft, die wichtigsten Punkte und Fragestellungen zum Thema "Flexible Arbeitszeit" zu verfolgen.
Checkliste: Leitfragen zur Entwicklung von flexiblen Arbeitszeitmodellen (pdf)
Die Checkliste/Handlungsanleitung thematisiert die wichtigsten Punkte zum Thema "Familienfreundliche Personalpolitik". Erörtert werden unter anderem Fragen wie:
- Welche Möglichkeiten gibt es in Ihrem Unternehmen, familienbezogene Wünsche und Interessen der Beschäftigten aufzunehmen?
- Welche Verfahren und Möglichkeiten können eingerichtet werden, um für jeden Einzelfall Interessen des Unternehmens und der Beschäftigten miteinander zu vermitteln?
- Welche Angebote familienbezogener Dienstleistungen kann das Unternehmen seinen Beschäftigten machen?
- Wie kann das Unternehmen familienbezogene Versorgungsverpflichtungen unterstützen?
Checkliste / Handlungsanleitung familienfreundliche Personalpolitik (pdf)
Hans-Böckler-Stiftung:
Gewerkschaften:
Andere: