Unter dem Motto "Frauen forschen" haben die Forschungsinstitute der Hans-Böckler-Stiftung, das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) und das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Mädchen am Girls' Day zu sich eingeladen. Die Schülerinnen konnten dort erste eigene Erfahrungen als Forscherinnen sammeln.
"Viele unserer Studien zeigen, dass bestimmte Berufszweige und Positionen größtenteils von Männern dominiert sind", erklärt Sozialwissenschaftlerin Simone Leiber vom WSI. Dies gelte auch für die Forschung. So seien beispielsweise Frauen als Ökonominnen noch relativ selten. "Auch in Spitzenpositionen an den Universitäten, unter Professoren, sind Frauen unterrepräsentiert", erläutert Leiber. Deshalb habe sich die Hans-Böckler-Stiftung entschlossen, bereits zum zweiten Mal am Girls' Day 20 Schülerinnen zu sich einzuladen und ihnen ein Berufsfeld vorzustellen, das nicht zum Standardprogramm für Mädchen gehört. "Hier bei der Hans-Böckler-Stiftung können die Mädchen promovierte Forscherinnen und ihre Arbeit in der Sozialwissenschaft kennen lernen", sagt Leiber.
Vorstellungen, wie genau der Alltag einer Wissenschaftlerin aussieht, hatten die meisten Teilnehmerinnen des Girls' Day bei der Hans-Böckler-Stiftung nicht: "Bei Forschung denkt man zuerst an verrückte Wissenschaftler mit strubbeligen Haaren zwischen Reagenzgläsern. Aber das stimmt ja nicht", sagte die 16-jährige Marie. Sie wollte einmal sehen, was Forscher wirklich machen und hat sich deshalb zusammen mit ihrer Freundin Lena zum Girls' Day angemeldet. Beide Mädchen haben schon erste eigene Erfahrungen in der Wissenschaft gesammelt. Für den Schulwettbewerb "Jugend forscht" beschäftigten sich die zwei mit dem unterschiedlichen Zeitgefühl von Menschen.
Bei der Hans-Böckler-Stiftung drehte sich dann alles um die Nutzung der Abwrackprämie. Nachdem die Schülerinnen eigene Argumente für und gegen die neue Richtlinie gesammelt hatten, wollten sie auch die Meinung anderer Menschen hören. Deshalb stellten sie einen Fragebogen zusammen, den sie dann an den Mitarbeitern der Stiftung testeten. Von der Auswahl der Fragen, über die Befragung bis zur Auswertung lag alles in der Hand der Mädchen. "Das ist ganz schön kompliziert, an was man dabei alles denken muss", stellte die 16-jährige Karina fest.
Dennoch zogen die Mädchen am Ende ein positives Resümee: "Jetzt kann ich mir konkret etwas unter Sozialwissenschaft vorstellen", resümierte die 15-Jährige Simone. Schulkollegin Sara-Gina entwickelte gleich eine eigene Forschungsfrage: "Ich würde mich gern mit Hauptschulen beschäftigen. Denn ich finde es ungerecht, dass in Deutschland Kinder von Hauptschulen keine Chance haben", sagte sie. Vorsorglich informierte sich die 16-Jährige gleich über die Berufsperspektiven einer Wissenschaftlerin.