Angesichts von mehr als vier Millionen Arbeitslosen droht die Frage nach der "Qualität der Arbeit" zur Nebensache zu werden. Spätestens mit Hartz IV folgt die aktuelle Arbeitmarktpolitik der Maxime: "Jede Arbeit ist besser als keine Arbeit". Gleichzeitig stehen die Betriebe unter massivem Druck, die auf den Finanzmärkten formulierten Renditeerwartungen zu erfüllen. Das Ergebnis ist eine umfassende "Vermarktlichung" der betrieblichen Arbeitsorganisation und der Sozialbeziehungen. Die bestehenden Ansätze einer innovativen Arbeitspolitik werden immer weiter zurückgedrängt.
Für die Beschäftigten hat diese Entwicklung zahlreiche negative Konsequenzen: So sind die psychischen Gesundheitsbelastungen am Arbeitsplatz wegen der zunehmenden Intensivierung der Arbeit und des wachsenden Termin- und Verantwortungsdrucks in den vergangenen Jahren spürbar angestiegen. Darüber hinaus stehen die betrieblichen Flexibilitätsanforderungen zunehmend im Widerspruch zu den Arbeitszeitwünschen der Arbeitnehmer. Die Verbindung von Arbeit und anderen Lebensbereichen (Work-Life-Balance) wird so immer schwieriger. Insgesamt hat diese Entwicklung weitreichende Auswirkungen auf Arbeitszufriedenheit, Motivation und Engagement der Beschäftigten, welche die zentralen Ressourcen für die Produktivität und Innovationsfähigkeit der Unternehmen bilden.
Dies spricht für eine Revitalisierung einer innovativen Arbeitspolitik. Das Thema "Qualität der Arbeit" muss wieder auf die gesellschaftliche Reformagenda gesetzt werden. Wir brauchen eine neue gesellschaftliche Initiative zur "Humanisierung der Arbeit". Worin liegen die Hemmnisse und Widerstände bei der Umsetzung einer innovativen Arbeitspolitik? Welche betrieblichen Erfahrungen und Gestaltungsmöglichkeiten gibt es? Welche nationalen und internationalen Ansätze für eine stärkere Förderung der Qualität der Arbeit werden derzeit diskutiert?