Forschungsprojekt: Volkswirtschaftliche Effekte wirtschaftspolitischer Maßnahmen

Simulation volkswirtschaftlicher Effekte standardisierter wirtschaftspolitischer Maßnahmen mit Hilfe der makro-ökonometrischen Modelle KOMO 61 (alte VG) und EMGE (neue VGR)

Projektziel

Im Projekt werden verschiedene, impulsartig angelegte exogene Schocks simuliert zur Bestimmung und Analyse der Wirkungen auf einen repräsentativen Querschnitt volkswirtschaftlicher Aggregate und Indizes. Dies erfolgt über einen Zeitraum von drei Jahren mit Hilfe zweier ökonometrischer Modelle für die deutsche Volkswirtschaft mit unterschiedlichem zeitlichen Geltungsbereich.

Projektbeschreibung

Kontext

Die Darstellung der volkswirtschaftlichen Wirkungen von typischen wirtschaftspolitischen Maßnahmen und exogenen Schocks ermöglicht den Vergleich mit anderen Modellen, die gleiche oder ähnliche Instrumentvariablen benutzen. Darin besteht der hauptsächliche wissenschaftliche Nutzen der Studie. Der praktische Nutzen besteht darin, dass gesellschaftspolitische Kräfte mit Hilfe empirisch quantifizierter Multiplikatoren in die Lage versetzt werden, die Wirkungen wirtschaftspolitischer Maßnahmen und exogener Schocks selber abschätzen zu können, ohne auf die Ergebnisse entsprechender Studien warten zu müssen. Die Quantifizierung volkwirtschaftlicher Multiplikatoren ist insofern von aktueller Brisanz, als dass, ausgelöst durch die Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2007-2009 und die dadurch forcierte aktive Stabilisierungspolitik, in der Wissenschaft erneut die Diskussion über die Wirkungen der staatlichen Einflussnahme auf den Konjunkturzyklus und den Krisenverlauf aufgekommen ist.

Fragestellung

Abgesehen von mehr modell-technischen Problemen der Auswahl, Dimensionierung, Platzierung und Darstellung der zu simulierenden Impulse und ihrer Effekte, erfolgt die Analyse unter den folgenden Fragestellungen:

- Sind die einnahmeseitigen Multiplikatoren kleiner als die ausgabenseitigen? Eine entsprechende These wurde in einer Studie des IMK (2010) aufgestellt und belegt - einschließlich der entsprechenden wirtschaftspolitischen Konsequenzen. Diese These wird hier anhand eines breiteren Spektrums von Impulsen und mit Hilfe aktueller Modelle für die deutsche Volkswirtschaft überprüft.

- Welche Anzeichen gibt es für einen strukturellen Wandel der deutschen Volkswirtschaft, insbesondere dafür, dass in den letzten Jahren eine gewisse Entkopplung des Arbeitsmarktes vom Wachstum der exportabhängigen deutschen Wirtschaft stattgefunden hat?

- Müssen die wirtschaftspolitischen Konsequenzen der ersten These unter den Bedingungen jenes strukturellen Wandels modifiziert werden?

Untersuchungsmethoden

Wesentliche Erkenntnismittel dieser Studie sind zwei prognose- und simulationsfähige makro-ökonometrische Modelle: Das schon etwas ältere Konjunkturmodell des RWI (KOMO 61) und ein ähnlich konstruiertes, auf Basis der neuen VGR operierendes Modell namens EMGE, dessen Prognosen seit 2008 öffentlich überprüft werden können (www.forschungsseminar.de) und das - zunächst noch im Tandem mit dem bewährten KOMO - zunehmend für wirtschaftspolitische Analysen eingesetzt wird. Im Unterschied zu bisherigen Analysen komplexer wirtschaftspolitischer Maßnahmen benutzt die hier befolgte Simulationsmethode standardisierte, einmalige Impulse, die nicht nur einen Vergleich verschiedener Modelle und eine Fehlerdiagnose ermöglichen, sondern aufgrund der Additivität der Effekte und der Linearität der Modelle auch dem Praktiker mit Hilfe von Multiplikator-Tabellen eine Abschätzung komplexer wirtschaftspolitischer Maßnahmen ermöglichen, ohne jene Modelle benutzen zu müssen.

Darstellung der Ergebnisse

- Das wichtigste Ergebnis sind die detaillierten Tabellen über die volkswirtschaftlichen Effekte der ausgewählten Impulse. Die These, dass die einnahmeseitigen Multiplikatoren kleiner als die ausgabenseitigen sind, konnte mit überwiegender Evidenz bestätigt werden. Modifikationen jener These ergeben sich aus der genaueren Klassifizierung der wirtschaftspolitischen Maßnahmen, für die die Multiplikatoren ermittelt wurden.

- Die These vom strukturellen Wandel der deutschen Volkswirtschaft konnte für eine Reihe von Impulsen verallgemeinert werden, deren Multiplikatoren eine geringere Empfindlichkeit des Arbeitsmarktes im Vergleich zum Gütermarkt nahelegen - allerdings nur für das Jahr der aktuellen Präsenz der Impulse.

- Die Postterminationseffekte in den Jahren nach dem Impuls sind bedeutend und führen dann wieder zu einer uneinheitlichen Gemengelage, die es für sich genommen schwer machen würde, einen Wandel zu behaupten.

- Zu den Ergebnissen gehört auch die Diagnose von Fehlspezifikationen der Modelle, wobei das EMGE insofern im Vorteil war, als Probleme sofort beseitigt werden konnten.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Univ.-Doz. Dr. Georg Quaas
Universität Leipzig Institut für Empirische Wirtschaftsforschung

Kontakt

Dr. Saskia Freye
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung