Forschungsprojekt: Lohn und Gerechtigkeit

Bonuszahlungen, Lohnzuwächse und Gerechtigkeit: Akzeptanz und innerbetriebliche Folgewirkungen exklusiver Lohnzuwächse in Deutschland

Projektziel

Untersucht wurden Gerechtigkeitsnormen der deutschen Erwerbsbevölkerung im Zusammenhang mit der Durchsetzungsmacht einzelner Berufsgruppen für exklusive Gehaltssteigerungen. Das Projekt leistete damit einen empirischen Beitrag zum wissenschaftlichen und politischen Diskurs über soziale Gerechtigkeit und die möglichen (betrieblichen) Folgen ihrer unzureichenden Berücksichtigung.

Veröffentlichungen

Dütsch, Matthias, Gesine Stephan und Olaf Struck, 2017. Lohnpolitik von Berufsgewerkschaften und Gerechtigkeitswahrnehmungen. Eine quasi-experimentelle Analyse, Industrielle Beziehungen, 24(3), S. 271-295.

Struck, Olaf, Matthias Dütsch und Gesine Stephan, 2017. Bonuszahlungen an Geschäftsführungen. Wodurch werden Gerechtigkeitsurteile von Erwerbstätigen beeinflusst?, Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (KZfSS), 69(3), S. 473-501.

Pfeifer, Christian, Gesine Stephan, Matthias Dütsch und Olaf Struck, 2017. Do workers perceive high wage settlements of craft unions as fair?, Applied Economics Letters, 24(15), S. 1093-1096.

Struck, Olaf, Matthias Dütsch und Gesine Stephan, 2016. Eine Frage der Gerechtigkeit, Böckler Impuls, 09/2016, S. 3.

Struck, Olaf, Matthias Dütsch und Gesine Stephan, 2016. Bonuszahlungen an Manager. Eine Szenarienanalyse zu Gerechtigkeitsurteilen, WSI Mitteilungen, 69(2), S. 85-94.

Stephan, Gesine, Matthias Dütsch, Cathrin Gückelhorn und Olaf Struck, 2014. Arbeit und Gerechtigkeitsbewertungen: Was Beschäftigte von Bonuszahlungen an Geschäftsführer halten, Nürnberg, 8 Seiten.

Stephan, Gesine, Matthias Dütsch, Cathrin Gückelhorn und Olaf Struck, 2014. When are bonus payments for managers perceived as fair? Results from a quasi-experiment. Results from a quasi-experiment, Economics Letters, 125, S. 130-133.

Stephan, Gesine, Matthias Dütsch, Cathrin Gückelhorn und Olaf Struck, 2014. Befragung "BLoG": Dokumentation der Beschäftigtenbefragung "Bonuszahlungen, Lohnzuwächse und Gerechtigkeit", FDZ-Datenreport 04, Nürnberg: Forschungsdatenzentrum (FDZ) der Bundesagentur für Arbeit im Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung , 55 Seiten.

Dütsch, Matthias, Cathrin Gückelhorn, Gesine Stephan und Olaf Struck, 2014. Hohe Gehaltssteigerungen durch Berufsgewerkschaften - Gerechtigkeitsbewertungen und Folgewirkungen, Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 66(04/2014), S. 517-548.

Stephan, Gesine, Matthias Dütsch, Cathrin Gückelhorn und Olaf Struck, 2013. Erhebungsdesign, Selektivitätsanalyse und Gewichtung, FDZ-Methodenreport 07, Nürnberg: Forschungsdatenzentrum (FDZ) der Bundesagentur für Arbeit im Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung , 64 Seiten.

Weitere Informationen

Beschäftigtenbefragung "Bonuszahlungen, Lohnzuwächse und Gerechtigkeit" (BLoG)
http://fdz.iab.de/de/FDZ_Individual_Data/blog.aspx

Arbeitsentgelte und Gerechtigkeit: Eine Szenarienanalyse zur Lohnpolitik von Berufsgewerkschaften /
http://www.uni-bamberg.de/fileadmin/arbeitswiss/Arbeitspapiere/Arbeitspapier_13_-_Berufsgewerkschaften_und_Vignetten.pdf

Bonuszahlungen an Manager: Gerechtigkeitsurteile und betriebliche Folgewirkungen /
http://www.uni-bamberg.de/fileadmin/arbeitswiss/Arbeitspapiere/Soziologie-Arbeitswissenschaft-WP-12-Bonus_-_Gerechtigkeit_-_Folgewirkungen.pdf

Bonuszahlungen an Manager: Eine Szenarienanalyse zu Gerechtigkeitsurteilen von Beschäftigten /
http://www.uni-bamberg.de/fileadmin/arbeitswiss/Arbeitspapiere/Working_Paper_11.pdf

Berufsgewerkschaften und Lohnpolitik: Hohe Gehaltszuwächse, Gerechtigkeitsurteile und Folgewirkungen
http://www.uni-bamberg.de/fileadmin/arbeitswiss/Arbeitspapiere/Working_Paper_10.pdf

Projektbeschreibung

Kontext

Seit längerem setzen spezifische, durch "Primärmacht"' und Homogenität gekennzeichnete Berufsgruppen hohe Bonuszahlungen (etwa in Banken) oder hohe Lohnzuwächse (etwa durch einzelne Sparten- bzw. Berufsgewerkschaften) durch. Bisher liegen wenige Erkenntnisse darüber vor, ob Bonuszahlungen und hohe Lohnzuwächse von Sondergruppen am Arbeitsmarkt mit den Fairnessnormen der Erwerbstätigen vereinbar sind. Unter welchen Umständen werden hohe Gehaltszuwächse einzelner Akteure von einer repräsentativen Auswahl von Beschäftigten sowie von Beschäftigten in betroffenen Unternehmen und Branchen als gerecht und motivierend bewertet? Wann wird im Umkehrschluss passiv oder aktiv das Kooperations- oder Leistungsverhalten vermindert? Die Beantwortung dieser Fragen gibt Hinweise für die Gestaltung der betrieblichen Arbeitswelt.

Fragestellung

Vor dem Hintergrund des Wandels der lange Zeit geltenden Einkommensverteilungsordnungen sollten im Projekt insbesondere zwei Fragestellungen aufgeworfen und bearbeitet werden:

- Unter welchen Umständen werden (hohe) Bonuszahlungen und Lohnsteigerungen spezifischer Berufsgruppen von einer repräsentativen Stichprobe von Erwerbstätigen verschiedener ost- und westdeutscher Berufs-, Alters-, Geschlechts- und Statusgruppen als gerecht empfunden, und unter welchen Bedingungen widersprechen sie dem Gerechtigkeitsempfinden?

- Hat die aktuelle Praxis von Bonuszahlungen und Lohnsteigerungen für spezifische Berufsgruppen Folgen für das Konkurrenz- und Solidaritätsverhalten in Unternehmen, auf Wert- und Gerechtigkeitseinstellungen unterschiedlicher direkt (positiv oder vermittelt negativ) betroffener Berufs- und Statusgruppen im Vergleich zur Gesamtheit der Erwerbstätigen?

Untersuchungsmethoden

Um den Projektfragestellungen nachgehen zu können, wurde zwischen dem 20.06.2012 und dem 19.12.2012 vom Befragungsinstitut Bamberger Centrum für Empirische Studien (BACES) eine eigene Erhebung durchgeführt. Es konnten 2.787 in Deutschland lebende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die älter als 18 Jahre alt waren, telefonisch befragt werden. Dabei kam neben der in Umfragen gängigen direkten Abfrage von Informationen auch die Vignettentechnik zum Einsatz. Der entstandene Datensatz umfasst fünf verschiedene Teilsamples. Eine repräsentative Beschäftigtenstichprobe wurde in "Repräsentativsample I" und "Repräsentativsample II" realisiert. Zudem liegen drei Stichproben zu den Beschäftigten des Bahn- und Flugverkehrs sowie zu Arbeitskräften in Krankenhäusern vor, um detaillierte Analysen zu den Lohnsteigerungen durch Berufsgewerkschaften durchführen zu können. Die Auswertung der Daten erfolgte mittels bivariater Probit-Schätzungen.

Darstellung der Ergebnisse

Exklusive Lohnsteigerungen erhöhen das Ungerechtigkeitsempfinden in der arbeitenden Bevölkerung und rufen negative Folgewirkungen hervor. 55% der Befragten beurteilten hohe Boni als ungerecht. Wurden Boni an das Management gezahlt, dann wurde zahlreicher eine gesunkene Arbeitsmotivation und eine geringere Kooperationsbereitschaft mit den profitierenden Managern berichtet. Lohnsteigerungen, die durch Berufsgewerkschaften verhandelt wurden, erachteten 47% der Befragten als ungerecht. Negative Folgewirkungen bestanden in geringerem Maße. Hingegen erhöhten die tarifpolitischen Verhandlungserfolge die Bereitschaft der Beschäftigten, sich für Arbeitnehmerinteressen einzusetzen.

Als weniger ungerecht wurden exklusive Einkommenssteigerungen beurteilt, wenn letztlich alle Beschäftigten davon profitierten. Ein ausschließlich exklusives Solidaritätsverhalten wurde hingegen als ungerechter empfunden, wobei die Risiken von negativen Folgewirkungen stiegen. Sofern den von Einkommenszuwächsen profitierenden Personen große Arbeitsleistungen oder ein hohes Qualifikations- oder Leistungspotential beigemessen wurden, konnten negative Gerechtigkeitsurteile und Folgewirkungen abgeschwächt werden.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Olaf Struck
Otto-Friedrich-Universität Bamberg Professur für Arbeitswissenschaft

Bearbeitung

Matthias Dütsch
Otto-Friedrich-Universität Bamberg Professur für Arbeitswissenschaft

Cathrin Gückelhorn
Otto-Friedrich-Universität Bamberg Professur für Arbeitswissenschaft

Kooperationspartner

Prof. Dr. Gesine Stephan
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit
Forschungsbereich C 1

Kontakt

Dr. Stefan Lücking
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung